Wie Offenheit deine Karriere spannend hält

Wir haben heute Peter Jiresch zu Gast, der gerade seinen 75. Geburtstag gefeiert hat und auf ein abwechslungsreiches Leben zurückblickt. Er beschreibt in diesem Interview, wie Offenheit seine Karriere geprägt hat.

Danke, dass du dir Zeit für uns nimmst. Beschreibst du uns bitte deinen Karriereweg?

Ich war ein schlechter Schüler und habe mit 15 eine Lehre auf einem Bauernhof begonnen. Von Kuhmelken bis Schnapsbrennen habe ich in den zwei Jahren alles gemacht. Dann habe ich meine Matura nachgeholt und anschließend an der Universität für Bodenkultur studiert. Ich habe in den Sommerferien in Schweden, in England und in Deutschland gearbeitet. Diese Vielfalt an Arbeiten hat mir geholfen, zu verstehen, was ich will. Danach habe ich viele Jahre lang beim österreichischen Milchwirtschaftsfonds gearbeitet und nebenbei an der Wirtschaftsuniversität Werbung und Verkauf studiert und dann im Marketing gearbeitet. Ich habe interne Schulungen organisiert und durchgeführt. Ich bin dabei viel herumgekommen und habe mit vielen Menschen zu tun gehabt. Mit ca. 50 habe ich begonnen, selbst im Verkauf zu arbeiten. Mein persönliches Interesse war der Wein und so habe ich mit meiner Frau gemeinsam spanische Weine nach Österreich importiert und vermarktet. Zunächst als Hobby, später hauptberuflich. Dann haben wir mit unserem Pensionsantritt das Geschäft unserem Neffen übergeben und helfen nur noch auf Anfrage mit.

 

Hattest du als Angestellter das Gefühl, dass du deine Meinung frei äußern konntest oder war es besser, still zu sein?

Ich hatte immer das Glück, mit meinem Chef und meinen Kollegen frei sprechen zu dürfen. Gerade in der Werbebranche kann man sehr offen sprechen und auch überzeichnen, um eine Idee zu kreieren. Die Offenheit wird dann beschränkt, wenn man jemandem nicht traut und wenn negative Konsequenzen zu befürchten sind. Dieses Problem hatte ich glücklicherweise nicht.

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Als du dich dann mit über 50 mit dem Weinhandel selbstständig gemacht hast, wie offen warst du für Ratschläge von anderen?

Es gibt von Mitbewerbern keinen Rat, hier besteht Konkurrenzdenken und Neid. Somit war ich skeptisch gegenüber deren Ratschlägen. Wichtig war mir immer der Austausch mit meiner Frau. Von Freunden und Familie gab es diverse Meinungen und Ratschläge. Meist gut gemeint, aber nur bedingt hilfreich und teilweise auch wieder mit Neid verbunden. Du musst sehr standfest sein und ausgeprägte Ziele haben und selbst von deiner Idee überzeugt sein. Das zu finden, was dich interessiert, ist eine längere Suche und die Gefahr ist groß, irgendwo zu landen, wo du jahrelang unglücklich bist.

 

Wenn du heutzutage die Chance hättest, deine Karriere nochmal zu gestalten, wo würdest du mehr Offenheit zeigen?

Ich habe mich im Laufe meiner Karriere immer wohl gefühlt. Aus meiner Erfahrung wird man alle zwei bis drei Jahre unruhig und wenn man dann neue Impulse bekommt, dann bleibt man gefordert. Ich hatte immer diese Impulse und war offen für Neues. Klar, andere haben das doppelte oder dreifache verdient, aber mir war zuerst die Sicherheit wichtiger und später dann die Verwirklichung meines Traums mit dem Weinimport.
Du reist oft und gern – wie hat dir das konkret geholfen, deinen Horizont zu erweitern?

Ich habe immer versucht, die jeweilige Kulturen genauer kennenzulernen und einzutauchen. Ich meide deswegen Hotelghettos und Pauschalreisen. Mich haben immer die Sprache und die Menschen interessiert. Man bekommt ein besseres Verständnis dafür, wie andere Leute denken.

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Du hast jetzt Fremdsprachen angesprochen. Du selbst kannst außer Englisch keine Fremdsprache. Hast du das Gefühl, dass dir weitere Fremdsprachen noch weiter geholfen hätten?

Ich bin kein Sprachtalent, meine Frau dafür umso mehr. Ohne sie hätten wir uns in Spanien nicht so gut verständigen können. Wenn wir mit Geschäftspartnern auf Englisch reden würden, würden wir einen verfälschten Dialog haben und die jeweilige Persönlichkeit geht verloren. Dadurch kommt es nicht zu einer Kooperation sondern zu einer reinen Transaktion Wein gegen Geld. Deswegen halte ich Fremdsprachen für unerlässlich.

 

Vielen Dank für deine Offenheit in diesem Interview. Wir hoffen, es hilft anderen, von deinen Erfahrungen zu lernen.

Sehr gerne, ich bin auch gerne wieder bei Themenabenden dabei.

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